Henry David Thoreau (1817 – 1862)

Henry David Thoreau (sprich: [ˈθɔɹoʊ] oder [θəˈɹoʊ], * 12. Juli 1817 in Concord, Massachusetts; † 6. Mai 1862 ebenda) war ein amerikanischer Schriftsteller und Philosoph.

Concord, Massachusetts, vor genau zweihundert Jahren, am 12.07.1817: Der amerikanische Schriftsteller und Philosoph Henry David Thoreau wird als drittes Kind eines Bleistiftfabrikanten und dessen Frau geboren. Seinem großen Ehrgeiz und herausragendem Intellekt entsprechend, wird er auf die Harvard University geschickt, an der er 1837 seinen Abschluss macht, um, wie seine zwei Geschwister, eine Karriere als Lehrer an einer öffentlichen Schule einzuschlagen. Diese endet allerdings bereits nach zwei Wochen, da Thoreau die Züchtigung seiner Schüler prinzipiell ablehnt. In der Folge beginnt Henry in der Bleistiftfabrik seines Vaters zu arbeiten und verhilft ihr zum Erfolg, indem er sich konzeptionell an deutschen Bleistiftzusammensetzungen orientiert. Zusammen mit seinem Bruder John kehrt er 1838 zu seinen akademischen Wurzeln zurück und eröffnet eine private Schule, die nach dem tragischen Tod des Bruders jedoch bereits 1842 wieder geschlossen wird.

Im Jahre 1845, und nicht zufällig am Tag der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, dem 4. Juli, zieht Thoreau in ein selbstgebautes Häuschen am Walden Pond, nicht weit von Concord entfernt, um sich dort für zwei Jahre, zwei Monate und zwei Tage seinem schriftstellerischen Tun zu widmen und, abgeschieden von der vermehrt industriellen Gesellschaft und im Einklang mit der Natur, zu lebensweisheitlichen Erkenntnissen zu kommen, die er unter anderem in seinem berühmten Werk Walden verschriftlicht. Während seines Aufenthalts am Walden Pond gibt er zudem Lesungen und verfasst diverse Artikel. Entgegen der weit verbreiteten Annahme, ist Thoreau aufgrund dessen nie wirklich ganz von der Gesellschaft isoliert, zumal er regelmäßig von seiner Schwester und anderen Gästen besucht wird. In stillem Widerstand gegen die Sklaverei und den Amerikanisch-Mexikanischen Krieg weigert sich Thoreau seiner Regierung Steuern zu zahlen, was schlussendlich dazu führt, dass er bei einer Besorgung im Ort verhaftet wird. Sein aufgezwungener Aufenthalt fernab der Freiheit währt für den Schriftsteller allerdings nur kurz, da seine Schwester ihn bereits nach einer Nacht wieder freikauft.
Sein Werk Walden nutzt Thoreau nach seiner Zeit am Teich, um bei Vorlesungen dem Publikum seine Erkenntnisse zu verdeutlichen und seine Beziehung zur Natur zu erläutern. Genau wie sein enger Vertrauter Ralph Waldo Emerson, auf dessen Grundstück er in Walden lebt, ist Thoreau Transzendentalist und daher von der essentiellen Bedeutung der Natur für das Wohlergehen der menschlichen Seele überzeugt. Auch vor seiner Zeit am Walden Pond und im Anschluss daran wohnt der Amerikaner im Hause Emersons und revanchiert sich unter anderem mit Gartenarbeit, während sein enger Vertrauter in England Lesungen hält.
1851 unternimmt Thoreau eine Exkursion nach Kanada und nimmt drei Jahre später an der Anti Slavery Counterdemonstration teil, angetrieben durch sein fortwährendes und entschiedenes Engagement gegen die Sklaverei und für die Freiheit des Einzelnen. Bis zu seinem Tod, am 6. Mai 1862, lehrt er auch weiterhin an verschiedenen Orten, wohnt allerdings auch weiterhin, wie fast sein ganzes Leben lang, in Concord. Trotz seiner Tuberkulose, mit der er sich möglicherweise schon während seines Studiums infiziert hat, wird Thoreau letztendlich 44 Jahre alt. Sein treuer Freund und langjähriger Wegbegleiter Emerson spricht während Thoreaus Trauerfeier an dessen Grab die folgenden Worte:
„The country knows not yet, or in the least part, how great a son it has lost. … His soul was made for the noblest society; he had in a short life exhausted the capabilities of this world; wherever there is knowledge, wherever there is virtue, wherever there is beauty, he will find a home.“
– Dieses Land ahnt noch nicht, welch großen Sohn es verloren hat… Seine Seele war für die feinste Gesellschaft geschaffen; in einem kurzen Leben schöpfte er alle Möglichkeiten dieser Welt aus; wo immer Wissen ist, wo immer Tugend ist, wo immer Schönheit ist, wird er ein Zuhause finden.

Niklas Hanisch / Maja Goralski / Karolin Janzen / Janis Kiesheyer (Westfälische Wilhelms-Universität, Englisches Seminar – American Studies) 2017

Thoreaus Grab auf dem Sleepy Hollow Cemetery in Concord, Massachusetts